Captain Bavaria

KI ist aus meinem Produktionsalltag nicht mehr wegzudenken, sowohl in der Konzeptphase als auch in der Produktion. Trotz der beeindruckenden Möglichkeiten braucht es oft viel Trial and Error, um eine konsistente Anmutung zu erzeugen, die nicht wie eine beliebige Aneinanderreihung von Prompts wirkt.

Captain Bavaria ist eine Case Study, in der ich unterschiedliche KI-Tools und Workflows getestet habe, nicht als isolierte Testszenarien, sondern als ein durchgängiges Projekt mit echten Herausforderungen und Problemstellungen.

Das Szenario ist bewusst absurd gewählt, um die Grenzfälle auszuloten: Wie gut funktioniert grafisches Design am Beispiel einer aufwändigen Logo-Erstellung? Was ist der beste Workflow für 3D-Elemente und ihre Integration mit generiertem Video? Und wie erzählt man am besten die Geschichte einer Freundschaft zwischen Mensch und hyperintelligenter Alpengams?

Captain Bavaria (Logoentwicklung)

Jedes Projekt fängt mit einer ersten Idee an, aus der sich alles Weitere entwickelt. Für mich war es die Figur eines bayrischen Superhelden mit dem sprechenden Namen Captain Bavaria, angelehnt an Captain America. Als kleinen Twist habe ich „Captain“ nicht als militärischen Rang, sondern als Schiffskapitän interpretiert, weil mir die Vorstellung eines bayerischen Seefahrers sehr gefiel.

Ein zentrales Element jedes Superhelden ist sein Logo: ein visuelles Kürzel, aus dem sich Charakter und Kernideen ablesen lassen. Für Captain Bavaria wollte ich ein Logo, das sowohl bayerische als auch maritime Elemente enthält, ohne überladen zu wirken.

Ich habe verschiedene Prompts in ChatGPT und Google Gemini getestet und immer weiter verfeinert, dabei Ergebnisse aus einer KI in die andere überführt, um einzelne Elemente aus neuer Perspektive zu sehen. Insgesamt entstanden etwa 50 Varianten, teils mit kuriosen Ergebnissen:

Wie so oft bei KI-generierten Elementen war kein einzelner Vorschlag perfekt, deshalb habe ich die zwei besten Logos in Photoshop kombiniert.

S.S. Bavaria (Konzept-Design)

Ein Kapitän braucht ein Schiff, in diesem Fall ein Hausboot auf dem Starnberger See. Mir schwebte ein altmodischer Dampfer vor, umgebaut zum Hausboot, stimmungsvoll getaucht in die untergehende Abendsonne.

Die Wahl fiel schließlich auf ein Design, das genau den Charakter traf, den ich im Kopf hatte. Mit Photoshops Funktion „Generatives Erweitern“ konnte ich aus diesem einen Bild alle weiteren Umgebungsbilder erzeugen, die ich brauchte.

Ein Mann und seine Gams (Bildgenerator-Tests)

Ein weiteres Projektziel war es, verschiedene Bildgenerator-Engines zu testen. Da jeder Superheld auch einen Sidekick braucht, entschied ich mich dafür, diese Beziehung anhand von Fotos zu etablieren.

Zwei Menschen darzustellen ist für KI mittlerweile trivial, deshalb entstand die Idee eines tierischen Begleiters mit derselben Funktion. Bei Captain Bavaria lag der Alpengeißbock entsprechend nahe.

KI-Roboter (von 2D zu 3D)

Jeder Superheld braucht einen Widersacher. Beim Oberthema KI lag der Roboter ziemlich nahe. Zunächst hatte ich auch das typische Bild vom angsteinflößenden Terminator im Kopf und promptete entsprechede Designs:

Gleichzeitig dachte ich mir: Wäre ich eine hochintelligente KI, die die Menschheit unterjochen wollte, würde ich meine Roboter so sympathisch wie möglich gestalten, um die Akzeptanz in der Bevölkerung hoch zu halten und den Widerstand zu minimieren. So entstand die Idee, ins andere Extrem zu gehen: maximale Freundlichkeit.

Am Ende entschied ich mich für ein Design, das niedlich und freundlich wirkt, ohne komplett ins Spielzeughafte abzurutschen. Aus dem 2D-Bild generierte ich mit dem Tool Meshy ein einfaches 3D-Modell, das ich in Cinema 4D weiter aufbereitet habe.

Für die Animation musste das Modell noch geriggt werden, also mit einem Skelett versehen, was mittlerweile automatisch über die Plattform Mixamo funktioniert. Der Vorteil: Mixamo bietet eine Vielzahl an Motion-Capture-Datensätzen, die sich direkt importieren und weiterverwenden lassen und so den Animationsaufwand an vielen Stellen deutlich reduzieren.